Mittwoch, 7. Februar 2007
um19.30 Uhr
in den Räumen der pro familia Beratungsstelle
Vortrag zur Geschwistertrauer
Wenn ein Kind ein Geschwister verliert, wird es zu einem doppelten Verlierer. Es hat nicht nur Bruder oder Schwester verloren, sondern auch die Eltern, die es einmal hatte.
Jedes Kind trauert individuell und in den verschiedenen Alterstufen ist der Ausdruck der Trauer oft ganz unterschiedlich.
Thomas Bäumer ist systemischer Therapeut und
Sozialpädagoge. Er arbeitet im Förderverein für
Krebskranke Kinder in Tübingen und ist dadurch sehr
erfahren in dieser Thematik.
Zudem ist er Ansprechpartner des Arbeitskreises für
trauernde Eltern und Geschwister in Baden-Württemberg.
Der Vortrag findet in der pro familia Beratungsstelle in Göppingen statt und beginnt um 19.30 Uhr. Ein Unkostenbeitrag von 3 Euro wird erhoben.
„Mich hat eigentlich niemand direkt auf den Tod
meiner Schwester angesprochen.“
Diese Erfahrung machen viele trauernde Geschwister.
Sie werden gefragt, wie es den Eltern geht, wenn sie
alt genug sind, oder es wird so getan, wie wenn nichts
geschehen wäre, oder es wird versucht sie abzulenken.
Dabei sind es gerade die hinterbliebenen
Geschwisterkinder, die neben den Eltern vor allem den
Tod der Schwester oder des Bruders mit voller Wucht zu
spüren bekommen. Sie können und wollen es häufig lange
Zeit nicht wirklich wahrhaben, dass ihre ältere
Schwester oder ihr jüngerer Bruder nicht mehr am Leben
ist. Obwohl nie explizit darüber gesprochen wurde, war
das in ihrem Lebensplan nicht vorgesehen. Wie sollen
sie damit umgehen? Mit wem können sie darüber
sprechen? Sollen sie überhaupt mit jemandem darüber
sprechen...?
Jedes Kind trauert individuell und in den
verschiedenen Altersstufen ist der Ausdruck der Trauer
oft ganz unterschiedlich. Kinder trauern anders als
Erwachsene. Deshalb sind die Eltern selbst, andere
Familienmitglieder, aber auch Freunde, Erzieher und
andere oft unsicher und hilflos, wie sie sich
gegenüber trauernden Kindern verhalten sollen
Manchmal versuchen Kinder in die Rolle des
Verstorbenen zu schlüpfen, um es den Eltern zuliebe zu
ersetzen. Manchmal wird das Kind vom Geschwisterkind,
vom Bruder oder Schwester zum Einzelkind.
Nach dem Tod eines Kindes muss sich die Familie neu
ordnen. Der Platz des verstorbenen Bruders, der
Schwester bleibt leer.
Auch die Tatsache, dass viele Beziehungen am Tod eines
Kindes zerbrechen, ist eine zusätzliche große
Belastung für die Hinterbliebenen.
„Das Thema in den betroffenen Familien ist „Verunsicherung“. Kindern und Jugendlichen ist sehr schnell klar, dass dieser Verlust ihr Leben verändert hat und sie weiterhin beeinflussen wird. Nur direkt zu benennen ist diese Beeinflussung nicht. Sie ist unkonkret und diffus, aber sie ist zu spüren. Überall!“ sagt Thomas Bäumer. Die hinterbliebenen Geschwister nehmen diese Verunsicherung bei den Eltern, den Großeltern, den Verwandten und Nachbarn wahr, sie steht ihnen allen ins Gesicht geschrieben. Den Kinder und Jugendlichen wird schnell klar, dass dieses Verlusterlebnis mächtig ist. Denn nicht einmal ihre Eltern, die sonst eigentlich immer Rat wissen, vermitteln ihnen hier den Eindruck als hätten sie den Überblick, wüssten wie es weitergeht oder könnten ihnen Trost spenden.
Wie sollen Kinder oder Jugendliche aber mit dieser
allgemeinen Verunsicherung und Ohnmacht umgehen? Und
wie können, Familie, Freunde und Bezugspersonen ihnen
helfen?
Thomas Bäumer sieht darin aber auch eine Chance für
alle Beteiligten, ihre Gefühle der eigenen
Betroffenheit mitzuteilen und versucht Antworten zu
geben.
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